Ratgeber
Pflegegrade
7 Min Lesezeit· Aktualisiert 1.1.2026

📝Pflegegrad beantragen – Schritt-für-Schritt-Anleitung

So beantragst du einen Pflegegrad ohne Stress: vom ersten Anruf bei der Pflegekasse bis zum Bescheid – als Checkliste für Angehörige.

Einen Pflegegrad zu beantragen klingt nach Behördenmarathon – muss es aber nicht sein. Diese Checkliste führt dich Schritt für Schritt durch den Antrag, damit du nichts vergisst und der Stress kleiner bleibt.

Schritt 1: Pflegekasse anrufen

Die Pflegekasse sitzt bei der Krankenkasse der pflegebedürftigen Person. Ein kurzer Anruf reicht: "Ich möchte einen Pflegegrad beantragen." Du musst noch nichts schriftlich begründen.

Info: Das Datum dieses Anrufs zählt als Antragsdatum. Leistungen werden rückwirkend ab diesem Tag gezahlt – also nicht aufschieben.

Schritt 2: Antrag schriftlich bestätigen

Die Pflegekasse schickt dir ein Antragsformular. Fülle es aus und sende es zurück (am besten als Einschreiben oder per Online-Portal der Kasse).

Du brauchst:

  • Versichertennummer der pflegebedürftigen Person
  • Diagnosen und Arztberichte (falls vorhanden)
  • ggf. Vollmacht, wenn du nicht selbst versichert bist

Schritt 3: Auf den MD-Termin vorbereiten

Innerhalb von 25 Arbeitstagen meldet sich der Medizinische Dienst (MD) für einen Hausbesuch. Bereite dich gut vor – der Termin entscheidet über die Einstufung.

Vorbereitungs-Checkliste:

  • 14 Tage Pflegetagebuch führen (Mobilität, Körperpflege, Essen, Verhalten)
  • Aktuelle Arztberichte, Medikamentenplan, Krankenhausentlassungen bereithalten
  • Schwerbehindertenausweis und Pflegehilfsmittel-Liste griffbereit
  • Eine vertraute Person zum Termin einplanen
  • Nichts beschönigen – auch schlechte Tage offen schildern

Hinweis: Daira hat ein eigenes Tagebuch-Modul. Du protokollierst täglich auf dem Handy, und der gesamte Pflegekreis sieht das gleiche Bild – perfekt als Grundlage für den MD-Termin.

Schritt 4: Der MD-Termin

Der Gutachter besucht zu Hause und bewertet sechs Lebensbereiche: Mobilität, Kognition, Verhalten, Selbstversorgung, Krankheitsbewältigung, Alltag und soziale Kontakte. Er stellt Fragen und beobachtet konkrete Handgriffe.

Was hilft:

  • Den Alltag realistisch schildern, nicht den besten Tag
  • Konkrete Beispiele aus dem Pflegetagebuch nennen
  • Den Gutachter nicht beeindrucken wollen – Stolz ist hier kein guter Berater

Schritt 5: Bescheid prüfen

Nach dem Termin bekommst du innerhalb von ca. 5 Wochen einen Bescheid mit Pflegegrad und Begründung. Prüfe ihn in Ruhe.

Wenn der Pflegegrad zu niedrig ist: Innerhalb von einem Monat Widerspruch einlegen. Begründe ihn mit deinem Tagebuch und konkreten Alltagsbeispielen.

Schritt 6: Leistungen abrufen

Sobald der Pflegegrad steht, kannst du die Leistungen nutzen: Pflegegeld, Sachleistungen, Entlastungsbetrag (125 € / Monat), Pflegehilfsmittel (40 € / Monat) und mehr. Eine Übersicht findest du im Ratgeber zu Pflegeleistungen.

Wo bekomme ich Hilfe beim Antrag?

  • Pflegestützpunkte – kostenlose, neutrale Beratung vor Ort
  • Pflegeberatung nach § 7a SGB XI – Anspruch für jede pflegebedürftige Person
  • Pflegetelefon des BMFSFJ: 030 20179131

Info: Du musst das nicht alleine schaffen. Hol dir Beratung – und teil den Antrag mit deinem Pflegekreis, damit jemand zuhört, mitdenkt und am Termin teilnehmen kann.


Disclaimer: Alle Angaben ohne Gewähr – Stand 2025/2026. Dies ist keine Rechts- oder Medizinberatung. Bei konkreten Fragen wende dich bitte an deine Pflegekasse oder einen Rechtsanwalt.

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